Bernadette und Josefa. Ein Resümee.

2014-12-ryl-seminar-028-3Ich sehe dir an, dass du nicht hier sein willst. Die vielen neuen Gesichter, auch ich kenne sie noch nicht, die Kennenlernspiele, schau, auch ich hample, ich hample und hample, der Trainer vorne an seiner Flipchart erklärt. Wie kann man nur so fröhlich sein. Ich lächle dir zu. Du lachst nicht. Du beugst dich über den Trainingsordner. Was bedeutet Mentoring? Was wollen wir voneinander? Vertrauen ist wichtig. Vertrauen ist wichtig, denkst du nicht? Du zuckst mit den Schultern. Komm, lass uns die nächste Aufgabe machen. Du zuckst mit den Schultern. Was willst du eigentlich von mir?

Ich hab das Freundschaftsarmband noch. Grün und Orange. Dass du es dir gemerkt hast. Das größte Geschenk. Wie war dein Tag? Du zuckst mit den Schultern. Wieder Stress mit den Eltern. Wie gerne würde ich dich retten. Willst du, dass ich dich rette? Sollen wir ein Eis essen gehen? Sushi. Wir müssen mal Sushi essen gehen.

Ob man mir ansieht, dass ich nicht hier sein will? Das zweite Training. Ohne dich. Du hast abgesagt. Du hattest es versprochen. Und ich hample und hample. Du antwortest nicht. Bitte. Antworte. „Wie kann man nur so stur sein?!“ „Du immer mit deinen Lösungen!“ Du willst dich nicht retten lassen. Ich kann dich nicht retten. Ich klingle an deiner Tür. Lässt du mich rein?

Bin ich gut genug?

„Hey“, schreibst du. Du kannst nicht einschlafen. „Danke für deinen Anruf“, sagst du. „Die ist genauso verrückt wie ich“, erzählst du den anderen. „Dich respektiere ich.“ „Wann sehen wir uns wieder?“

Der Trainer war doch eigentlich ganz süß, findest du nicht. Du lachst. Kaufst du wieder Süßigkeiten? „Magst du das?“ Ist doch dein Geld. „Nein, sag, magst du das?“ Du drückst mir die Tüte in die Hand.

„Ich mag nicht zu den Trainings gehen.“ Du hast Angst. Weißt du, dass ich auch Angst habe? Die vielen neuen Gesichter, das Hampeln. Ob ich gut genug dafür bin.

„Hey“, schreibst du. „Was machst du gerade?“

Du bist eine gute Freundin. Willst du nicht hören. Du teilst, verteidigst deine Freunde, stehst für sie ein. Du bist ein guter Mensch. Willst du nicht hören. Du kannst das. Du schüttelst den Kopf.

„Und jetzt?“, fragst du. „Noch ein Eis? Ich zahle.“

Manchmal schien es mir, als ob mir die Felsen, die du hinter dir herschlepptest, öfter auf die Zehen fielen als dir. Wie gerne wäre ich Obelix gewesen. Wie gern hätte ich das Rezept für einen Zaubertrank herausgefunden. Es gab keinen Zaubertrank. Nur den kleinen kläffenden Wegbegleiter, der dir ans Bein sprang. Dich begleitete. Dir treu bleibt. Lass uns gemeinsam gut genug sein.

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