Juliane und Sophie. Unter Stars.

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Montagabend. Ich liege im Bett und bemerke, dass ich eine Nachricht von Sophie bekommen habe. Während des KICK OFF Wochenendes haben wir alle die Aufgabe bekommen, uns jeden Abend gegenseitig drei Dinge zu schreiben, für die wir heute dankbar sind, und das fünf Wochen lang. In Sophies Nachricht schreibt sie mir die heutigen drei Dinge. Anschließend fragt sie mich, ob ich Mike Singer kenne. Nein, tue ich nicht und ich frage, wer das sein soll. „Er ist Sänger und gibt morgen eine Autogrammstunde im Saturn eines Einkaufszentrums“, erklärt mir Sophie. Ich finde es immer wieder komisch, dass ich nur acht Jahre älter bin als sie und trotzdem keinen ihrer Stars kenne. Automatisch fühle ich mich nicht mehr wie 22, sondern eher wie 42. Wenn Sophie mir von ihren Stars erzählt, verwechsle ich sie oder vergesse ihre Namen sofort wieder. Jahre später kann ich also verstehen, dass meine Mutter sich meine Stars auch nie merken konnte, als ich so alt war.

Ein Star in der eigenen Stadt? Cool, denke ich und frage Sophie, ob sie dort morgen hingeht. Sie erklärt mir aber, dass ihre Mutter ihr nicht erlaubt, den weiten Weg alleine zu fahren. Verständlich, denke ich, immerhin ist das Einkaufszentrum, in dem Mike Singer sein wird, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln über eine Stunde von Sophies Zuhause entfernt. Ich merke, dass sie traurig deswegen ist, vor allem, da andere ihrer Freundinnen auch dorthin gehen werden. Ich muss gar nicht lange überlegen, um ihr anzubieten, dass ich sie begleiten könnte. Egal ob 22 oder 42, es braucht schließlich nicht viel, um sich in ihre Lage versetzen zu können. Wer hätte seine Stars mit 14 Jahren nicht gerne gesehen? Bei mir war man damals entweder US5 oder Tokio Hotel Fan, heute steht man anscheinend entweder auf Mike Singer oder Lukas Reger. Das ändert nichts daran, dass jedes Kind oder jeder Jugendlicher davon träumt, sein großes Idol zu treffen. Sophie freut sich sehr und auch ihre Mutter ist mit dem Vorschlag einverstanden.

Am nächsten Tag hole ich sie von der Schule ab und gemeinsam mit einer ihrer Freundinnen fahren wir zu besagtem Saturn, wo eine lange Schlange und viele kreischende Mädchen auf uns warten. Die Mädels sind total aufgeregt und erzählen mir mehr von Mike Singer. Im Hintergrund läuft sein Album in Dauerschleife. Total verrückt, das hätte ich vor acht Jahren sein können. Beim Warten haben wir genug Zeit über Gott und die Welt zu reden. Nach zweieinhalb Stunden ist es endlich soweit! Sophie macht ihr Foto mit Mike Singer und ich filme das Ganze. Sie hat ihr Foto und Autogramm und ich wahrscheinlich einen Tinnitus, aber am Ende finden wir beide, dass es das Warten wert war. Wir hatten einen schönen Tag zusammen und ich bin mir sicher, dass sich Sophie noch lange daran erinnern wird. Und auch ich weiß jetzt, wer Mike Singer ist! Was Stars und Sternchen angeht, ist Sophie auf jeden Fall der Mentor und ich der Mentee. Aber auch das ist eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte.

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